Ich hab ganz vergessen noch was spektakuläres zu erzählen. Letzte Woche (ich glaube es war Freitag früh) so gegen 5:40 bin ich wach geworden und dachte mir "???Irgendwas stimmt nicht! Verdammt, was ist los? Irgendwas stimmt nicht!" Als ich dann nach ein paar Sekunden richtig wach war, hab ich gemerkt, was nicht stimmte. Mein Bett hat übelst hin und hergeschwankt und -gewackelt. Als ich dann realisiert hab: ERDBEBEN! SCH***! wars auch schon wieder rum ;) Es hatte ungefähr die Stärke 3 bei uns, es ist nichts aus den Regalen gefallen und außer meinem schwankenden Bett war nichts los. Trotzdem ist es echt ein mieses Gefühl, weil man eben nicht mal schnell wo hin gehen kann, wo es nicht wackelt...man muss es aussitzen ohne zu wissen, wann es aufhört, ob es noch stärker wird und dann, wenns rum ist, fragt man sich, ob es nicht gleich noch Nachbeben gibt. Es ist wirklich etwas, dass man nicht unbedingt in seinem Leben erfahren muss. Ich hoffe ich erlebe keines mehr, und wenn nur super "Kleine".
Gestern war ich spontan mit ein paar Freunden noch in Tokyo (den Stadtteil Tokyo, nicht die ganze rießige Stadt). Dort gibt es auch noch einige große Illuminations, die wir uns angesehen haben. Damit ihr noch ein bisschen mehr japanische Weihnachtsstimmung bekommt, hier mal nur ein paar Bilder. Viel Spaß beim gucken:
Ich hoffe es hat euch gefallen ;) Wir sehn uns dann nach Kyoto oder im neuen Jahr. Rutscht gut und haltet die Ohren steif :)
....und muss euch sagen, es weihnachtet nicht sehr
Naja, also das ist übertrieben. Es weihnachtet auch in Japan ein wenig, jedoch auf eine ganz andere Art und Weise. Da Japan ja kein christliches Land ist (nur ungefähr 1-2% der Bevölkerung), hat Weihnachten hier natürlich nicht die Bedeutung, wie bei uns. Natürlich ist Weihnachten für die wenigen Christen hier, genau das Selbe wie bei uns. Es gibt jedoch für den Rest und den Hauptteil der Bevölkerung große Unterschiede, die sich in verschiedenen Dingen äußern.
Zum Beispiel haben weiterhin sämtliche Geschäfte geöffnet. Weihnachten ist hier nicht das bedeutendste Familienfest, sondern ein fest für die "kappuru" (die „japanische“ Aussprache für ein „couple“), also für die Verliebten und Pärchen, die sich die Illuminations anschauen, fein essen gehen, nach Disneyland oder Disneysea fahren etc. Also eher mit Valentinstag vergleichbar.
Das japanische Fest, dass etwa unserem Verständnis von Weihnachten gleich kommt, ist dann eher Neujahr. Da fährt jeder nach Hause zu seiner Familie und verbringt dort Sylvester und die ersten 2-3 Neujahrtage. Reisen ist in der Zeit einfach unmöglich, alle Hotels sind teilweise schon ein Jahr vorher ausgebucht zu dieser Zeit.
Neben diesem Unterschied, besteht Weihnachten hier in Japan auch hauptsächlich daraus, dass es die sogenannten Illuminations überall gibt. Bäume, Gebäude und eigentlich alles, auch einfaches Gras ist mit Milliarden von Glühbirnchen geschmückt. Es ist echt schön anzusehen, erinnert aber oft an den Film „Schöne Bescherung“… ^.^
Hinzu kommt, dass in jedem Geschäft Weihnachtsmusik läuft…volle Lautstärke, Dauerschleife...naja…
Weihnachtsmarkt, Plätzchen backen, Kerzen, Adventskalender und –kränze kennt man hier gar nicht. Das heißt, mittlerweile schon, weil es importiert wird. Ich hab mir auch in einem Importeurgeschäft einen Adventskaleder gekauft ;)
Seit einigen Jahren kommt regelmäßig im Dezember ein kleiner Weihnachtsmarkt aus Rothenburg ob der Tauber nach Roppongi Hills, wo es dann original deutschen Glühwein etc gibt. (Sehr zu meiner Freude, ich war natürlich dort. Nur Glühwein bei 17° C ist …sehr gewöhnungsbedürftig und nicht so das Wahre.)
In der Uni gab es 2 Weihnachtsfeiern. Eine vom „Haribo-Club“, ein Club von allen Deutsch studierenden Japanern und eine für die ganzen Austauschstudenten.
Letztere war echt super. Es wurde die größte Mensa der Uni hergerichtet, an vier riesigen Tischen gab es von Sushi über Häppchen bis Obst alles was das Herz begehrte und zu trinken ebenfalls alles von Softdrinks bis Bier, Sake und Umeshu (Pflaumenwein). Alles für lau:) Der Gospelchor hat gesungen und es gab eine Art Tombola.
Anschließend bin ich noch auf die Generalprobe der Cheerleader-Mannschaft (da hat ja eine Freundin von mir mitgemacht). Die hatten am nächsten Tag eine Competition. Ist schon krass was die machen, aber bei 5 mal pro Woche 3-4 Stunden Training, wundert es dann doch nicht.
na seht ihr meine Freundin??Fällt kaum auf mit ihren blonden Haaren ;)
Es war im Großen und Ganzen also schon recht weihnachtlich. Nur die Kälte und der Schnee haben wirklich sehr gefehlt. Deshalb kam bei mir zumindest nicht so wirklich Weihnachtsstimmung auf. Ich fühle mich immer noch wie im Oktober, dabei ist Heilig Abend.
Wow, das heißt aber auch, dass ich jetzt schon über 3 Monate hier bin!
Mittlerweile kann ich auch von mir behaupten, dass sich mein „Japanisch“ deutlich verbessert hat. Alltagsgespräche verstehe ich fast ohne Probleme, und wenn, dann hängt es nur noch an einem Wort. Das Hauptproblem ist und bleibt wahrscheinlich das Sprechen. Das ist aber in jeder Sprache einfach so. Üben, üben, üben.
Ach ja, mein Weihnachtsgeschenk, dass ich mir selbst mache, ist ein vier Tage Trip nach Kyoto und Nara. Beides ehemalige Hauptstädte, die zu den schönsten Japans gehören sollen…ich sag euch dann, ob es wirklich so ist :).
Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten, feiert und esst für mich mit.
Und für alle dies noch nicht kennen, viel Spaß beim Gucken:
Sonntag, 29. November 2009
O hisashi buri - Es ist lange her, seit wir uns das letzte Mal sahen.
Jetzt ist es Ende November und in Japan ist der Winter immer noch nicht wirklich angekommen. Unter der Woche war es zeitweise mal recht kalt und ich habe mir im LUMINE in Shinjuku eine Winterjacke gekauft (schwarz mit rausnehmbaren Schafsfell). Aber unter 10°C war es noch nicht und dieses Wochenende war es dann wieder an die 18°C geworden.
Soviel zur aktuellen Wetterlage ^.^
Dadurch, dass es momentan immer noch so super Wetter ist, kann ich natürlich noch viel draußen unternehmen. An einem der letzten Dienstage war ich am Meiji-jingu.
Der Meji-jingu ist ein Schrein, also shintoistisch und hat ein bzw. mehrere große tori (siehe Bild). Der Schrein ist in Tokyo, im Stadtteil Harajuku. Man muss um zu ihm zu gelangen, erstmal eine gute halbe Stunde durch einen recht großen Park, der echt schön ist, weil er zahlreiche alte und große Bäume hat. Man merkt direkt die Luftveränderung, von der harten, dreckigen Stadtluft zu eine sehr sauberen und sanften Parkluft. Man bekommt fast das Gefühl, dass man in der Natur wäre.
Der Schrein selbst hat seinen Namen von dem gleichnamigen Tenno, der bis vor dem 1. Weltkrieg Japan regierte. Er und seine Frau sind dort begraben. Ich war zu einer Zeit dort, als die Crysanthemen blühten, das Symbol des Kaiserhauses. Dem zu Ehren, wurden dann überall im Schrein und drum herum Crysanthemen aufgestellt- sehr schön anzuschaun :) Das andere Bild zeigt eine Wand mit kleinen Holztäfelchen, auf die Wünsche geschrieben werden, bevor man sie dort aufhängt.
Um in Tokyo ein wenig Natur zu erleben, muss man meistens einen Tempel oder Schrein besuchen. Sie sind oft in den größeren Parks gelegen oder von kleineren Gärten umgeben. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich sich aus Tokyo raus zu begeben. Dazu muss man aber mindestens 1-2 Stunden Zugfahrt in Kauf nehmen. Aber gerade jetzt im Herbst lohnt es sich echt.
Dieses Wochenende bin ich mit 3 anderen Freunden zum Takao-san gefahren, also zum Berg Takao. Der ist relativ bekannt und steht in jedem Reiseführer als klassisches Ausflugsziel drin. Er ist direkt an den Ausläufern der Kanto-Ebene gelegen, am Beginn der ersten kleinen Bergketten, westlich von Tokyo.
Das Wetter war unheimlich toll. Blauer Himmel, keine Wolke und ausnehmend warm für November. Wir sind natürlich den Berg hochgeklettert und haben nicht den cable car oder den Sessellift genommen. Wobei - klettern ist es nun doch nicht ganz.
Der Takao-san ist sehr touristisch und alle Wege sind daher gepflastert oder geteert und es gibt nur eine handvoll Wege (nicht so wie bei uns im Wald, mit den kleinen abzweigenden Wegen überall). Es war zwar recht steil, aber einfach zu laufen.
Auf dem Takao-san sind mehrere Tempelanlagen, die man passieren kann, aber mit Abstand am schönsten waren die Herbstfarben. Sie sind insgesamt vergleichbar mit unseren Herbstfarben, Ausnahme bildet einzig dieses eine Knallrot, das man bei uns eher selten findet. Durch die Sonne funkelte alles regelrecht. Und die Luft war natürlich sooooviel besser :) Ich habe das natürlich in tiefen Atemzügen genossen.
Auf dem Gipfel haben wir dann unsere Mittagspause gemacht und in einem Restaurant Nudelsuppen gegessen. Danach hat es sich leider etwas zugezogen und wir konnten daher von Gipfel aus leider nicht den Fuji-san sehen :( Naja, nächstes Mal vielleicht ;)
Auf dem Rückweg haben wir uns dann noch Dango gekauft, eine sehr japanische Süßigkeit. Aus gestampften Reis wird ein "mochi" geformt - ein Reisbällchen- und aufgespießt gegrillt. Bevor man es isst, streicht man noch eine eher salzig schmeckende Soße darüber. Es ist echt lecker und halt ganz anders ;)
Den Rückweg haben wir dann doch - weil es dunkel wurde- mit dem Sessellift zurück gelegt. Und Sessellifte sind wohl doch nicht weltweit gleich. Der große Schock: in Japan gibt es zumindest am Sessellift vom Takao-san keine Sicherheitsbügel oder -gurte. Man sitzt einfach auf einer Bank und muss selbst schauen, dass man nicht runterfällt. Ich konnte das kaum glauben. Der Lift wäre in Deutschland sofort geschlossen worden. Aber hier, hat es irgendwie niemanden gestört. Krass. Mir war dann schon etwas mulmig zumute damit zu fahren. Letztendlich hat dann die Aussicht dafür entschädigt. Da es dann schon dunkel war und wir mit Blick auf die Kanto-Ebene fuhren, konnten wir Tokyo im ganzen Ausmaß bei Nacht sehen- ein wahnsinns Lichermeer- atemberaubend :)
So das wars vorerst wieder mal. Ich hoffe, bis zum nächsten Mal dauert es nicht mehr so lange Jaa, mata ne!- Tja, bis zum nächsten Mal :)
Hallo an alle :) Am 1. November bin ich spontan - weil das Wetter so schön war- nach Asakusa gefahren, einem der ältesten Stadtteile Tokyos, den es schon zur Edo Zeit gab (1603- 1868, damals noch Shitamachi- also Downtown genannt^^).
Asakusa ist heute natürlich (wie alles in Tokyo) sehr modern und hat dennoch seinen ursprünglichen Flair bewahrt. Einerseits stehen dort Hochhäuser an Hochhäuser, Kaufhaus an Boutiquen gereiht. Auf der anderen Seite sind die Gassen und Sträßchen in Asakusa noch kleiner und enger, als die in den meisten anderen Stadtteilen.
Berühmt ist vor allem der Bereich um den Senno-ji (ein buddhistischer Tempel, auch Asakusa Kannon-do genannt). Schon von Weitem sieht man die großen Menschen- und Touristenmassen zum Eingang strömen. Nachdem man ein erstes großes Tor passiert hat, das Kaminarimon (Donnertor) gelangt man erst einmal in eine enge Gasse mit aneinandergereihten Ständen und Geschäften. Dort gibt es von den traditionellen Senbeis (Reisgebäck) bis zu Manekinekos (Geld herbei winkende Katzen) und sonstigen Souveniers eigentlich alles zu bestaunen und natürlich auch zu kaufen. Hat man sich dann bis zum zweiten Tor durchgekämpft, das Hozomon, könnte man normalerweise den Tempel bewundern. Leider renovieren sie den gerade und der Tempel ist komplett verhüllt. Aber es gab auch eine Entschädigung dafür. Neben dem Haupttempel gibt es noch zahlreiche andere Gebäude, unter anderem einen kleinen (eher winzigen) Park und eine 5-stöckige Pagode. Sie gehört zu den 3 größten Pagoden in ganz Japan *wow*
Hinzu kam, dass man Anfang November in Japan shichi-go-san feiert. Und wie es der Zufall will, fand es genau an diesem 1. November statt.
Shichi-go-san bedeutet eigentlich 7-5-3 und ist ein Fest für Kinder (mehr oder weniger). Man glaubte früher, dass Mädchen im Alter von 3 und 7 und Jungs im Alter von 5 enormes Unglück haben. Deshalb gehen Eltern mit ihren Kindern und dem Rest des Familienclans während shichi-go-san an einen Schrein und bittet um Glück. Das tolle an dem Fest ist eigentlich für mich Ausländer, dass die betroffenen Kinder in unglaublich schöne und kunstvoll verzierte Kimonos gesteckt werden (den ersten, den sie in ihrem Leben tragen). Und naja, neben dem Senno-ji gibt es noch den Asakusa-jinja, also den shintoistischen Schrein und überall konnte ich an dem Tag die Kinder im Kimono bewunder.shichi-go-san im Asakusa-jinja mit Schrein"dienerin" und einem ganz "unglücklichen" Mädchen im Kimono ;-)
Achja, an dem Tag war es übrigens so um die 25°. Wie man auf dem Bild oben sieht hab ich zwar nur ein T-shirt und Jeans an, aber trotzdem hab ich ordentlich geschwitzt. Mir kommt es noch überhaupt nicht wie November vor, eher als hätten wir immer noch September. Auf Schnee und weiße Weihnachten brauche ich glaub ich garnicht zu hoffen :(
Am 3. November war Tag der Kultur (bunka no hi), ein nationaler Feiertag an dem - verblüffenderweise- auch einige Geschäfte zu hatten. Allerdings nur hier in Warabi und nicht in Tokyo. Bunka no hi war nicht mein erster nationaler Feiertag, aber irgendwie scheinen die Feiertage hier nicht für die Arbeit zu gelten. Das letzte Mal, am Tag des Sports, war ganz normal Uni, die Geschäfte hatten genauso auf- ach ja, ich glaube die Behörden hatten zu ;-) Also ist doch nicht alles so anders als daheim^.^ .
Jedenfalls habe ich am dem Tag einen Bekannten aus Deutschland und seine Frau besucht. Dazu musste ich ungefähr 1,5 Stunden mit dem Zug weiter nördlich, das heißt weiter raus aufs Land fahren. Es war unglaublich toll, mal wieder aus dem Häuserdschungel herauszukommen und Felder, Bäume und Berge zu sehen und es hat mir dort auch sehr gut gefallen. Wir waren erst in einem typischen Isakaya essen und danach ging es auf das Stadtfest, das im Grunde ähnlich war, wie das in Kawagoe. Aber es hatte vielmehr "fahrende Häuser", die wie ich jetzt weiß "dashi" heißen und das Fest war eher "überregional".
(Btw.: Isakaya meint oft ein eher lokaleres, kleineres Restaurant, in das viele vor allem zum Trinken nach der Arbeit oder Abends hingehen. Man bestellt dort hauptsächlich Kleinigkeiten, an denen sich dann alle bedienen. Das ist vielleicht mit den spanischen Tappas vergleichbar, macht auf jeden Fall tierisch Laune).
Achja und noch eine Bemerkung am Rande. Vor 10 Tagen waren wir bis heute im Wohnheim ungefähr 40 Deutsche mehr als normal. Das lag daran, dass die Stadt Warabi zu ihrem 50. Jubiläum ein Musikcorps von ihrer deutschen Partnerstadt eingeladen hatte. Von da an war es dann etwas lauter in der Küche zugegangen. Jetzt sind sie wieder weg und es ist wieder ruhiger. Gott sei Dank ;-) Es ist doch etwas peinlich wenn 40 Leute in einer japanischen Küche deutsche Blasmusik machen und die Japaner und anderen Ausländer rumhüpfen und dazu klatschen ^.^ Aber es war auch mal wieder ganz lustig etwas so urtypisch deutsches ausgerechnet hier in Japan zu haben. Sachen gibts....
Das wars erstmal wieder von mir ;-) Bis demnächst!
(: Hallöchen aus dem mittlerweile auch kälter werdenden Japan :)
Diesmal hat es nicht so lange gedauert, bis ich euch wieder etwas berichten kann. Das liegt daran, dass ich gestern (Samstag) mit ein paar Leuten aus dem Wohnheim einen echt tollen Ausflug gemacht habe zum Weltkulturerbe von Nikko und zum Nationalpark um Chuzenjiko. Beides sind kleine alte Städtchen, die nördlich von Tokyo liegen, also wirklich außerhalb von Tokyo (unglaublich ich weiß ^.^). Dem entsprechend lange hat es auch dann gedauert.
Ich bin morgens um 5 aufgestanden und um 6 gings an den Zug, der uns erst einmal zum Zug nach Nikko gebracht hat. Der fuhr um 7 los und um halb 10 waren wir dann endlich dort. Nikko liegt in den Bergen - eigentlich an den Ausläufern der Berge, aber es liegt doch schon ziemlich hoch. Jedenfalls war es dort doch deutlich frischer, als in Tokyo selbst- vielleicht so 12/13° . Von Nikko aus sind wir dann gleich mit einem Bus undgefähr eine Stunde lang über eine berühmte Passstraße (Irohazaka) nach Chuzenjiko-Onsen (so heißt der Ort) gefahren. Chuzenjiko liegt ungefähr 1200 m üNN am Rande des Nationalparks an einem echt schönem See. Dort war es leider noch kälter als in Nikko (ungefähr 8°). Die Irohazaka, die Passtraße heißt so, weil sie ursprünglich mal 48 Kurven hatte, also genausoviele wie das japanische Alphabet (Iroha) Buchstaben hat. Mittlerweile sind es Gott sei Dank nur noch 30 Kurven. Die Straße blieb aber trotzdem berühmt, vor allem wegen ihrer Farbenpracht im Herbst. Dementsprechend voll war sie dann auch und wir standen eine halbe Stunden im Stau ^.^'. Aber die Farben waren schon genial. Es war zwar nicht jeder Baum extrem farbig, aber immer mal wieder gab es Bäume mit außergewöhnlichem Rot oder Orange. Leider sind die meistens Bilder aus dem fahrenden Bus aufgenommen und daher leider....suboptimal ^.^ sorry
Chuzenjiko selbst ist ein wirklich kleiner und verträumter Ort. Es gibt hauptsächlich Souvenirläden und überteuerte Restaurants und Hotels. Die Hauptattraktionen sind natürlich der See, der Nantai-san (Mount Nantai) und 2 Wasserfälle (die wir leider aus Zeitgründen nicht sehen konnten). Daneben gibt es noch ein Tempel (Chuzen-ji) und ein Schrein (Futarasan-jinja). Kurze Erklärung: Tempel sind buddhistisch und Schreine shintoistisch (immer) ;-)
Danach waren wir nur noch überteuert essen und mussten dann wieder mit dem Bus eine Stunde nach Nikko zurückfahren. Nikko ist sehr berühmt wegen seinen Schrein- und Templeanlagen, vor allem wegen des Tosho-gu, der Schrein in dem Tokugawa Ieyasu begraben ist. (Kleine Geschichtskunde: Tokugawa Ieyasu war der Shogun, der Japan 1603 in die Isolation geführt hat und der das Tokugawa-Shogunat begründet hat. Heute wird es auch als Edo-Zeit oder Zeit des großen Friedens bezeichnet, der nach 250 Jahren (1868) durch die Amerikaner beendet wurde. Japan musste sich wieder öffnen und mit Amerika äußerst unfaire Handelsverträge abschließen.)
Im Tosho-gu befinden sich noch zwei weitere Hauptattraktionen: einmal die Nemuri-Neko (die schlafende Katze), die sich im Grabraum von Tokugawa befindet (die Japaner sind voll verrückt nach ihr, weil sie so süß sei) und die 3 bekanntesten Affen der Welt. Einer der Affen hält sich die Augen zu, einer den Mund und einer die Ohren. Sie verdeutlichen eine wichtige Lehre - eigentlich des Buddhismus: Nichts böses sagen, nichts böses hören, nichts böses sehen. Die Affen kann man in allen Varianten als Souvenir kaufen, zB als Tassen, Anhänger, Aschenbecher, einfache Skulpturen, als Taschentücher, Plüschtiere etc etc etc. Typisch japanisch halt.
Eine weitere Sehenswürdigkeit von Nikko ist die fünfstöckige Pagode und die Shin-kyo-Brücke, die leider nur zum fotographieren ist. Dann gibt es noch andere Tempel und Schreine und ein Treasure House (Museum) und ein National Science Museum und und und. Also für Nikko und Chuzenjiko komplett auskosten zu können braucht man unbedingt mindestens 2 volle Tage. Leider hatte ich nur einen und konnte daher sicher die Hälfte nicht sehen, aber da ich ja quasi "vor Ort" bin, werde ich vielleicht nochmal hinfahrn (auch wenn es etwas teuer ist), aber man weiß ja nie ^.^
So und nachdem uns die Affen etwas wichtiges aus dem Buddhismus gelehrt haben möchte ich nun etwas von der Uni erzählen (nachdem man mich freundlich drauf hingewiesen hat, auch mal darüber zu schreiben^.^). Meine Uni- die Jochidaigaku, wie sie auf japanisch bezeichnet wird (englisch: Sophia University) gehört zu den 3 besten internationalen Universitäten Japans *protz* "Besser" sind lediglich die Waseda Universität und die Keio Universität. Jetzt aber genug angegeben ^. ^
Mein Unialltag beginnt erstmal mit einer Stunde fahrt in der Rushhour (ich muss ja erstmal nach Tokyo kommen). Die Uni selbst liegt schräg gegenüber vom Bahnhof, also echt super angeschlossen. Direkt hinter der Campus liegt die Akasaka Imperial Residence mit einer großen Parkanlage, die öffentlich zugängig ist (zumindest größtenteils). Im Frühjahr bietet es sich da natürlich an, nach dem Unterricht im Park zu faulenzen ;-)
Der Campus ist recht klein, dafür die Gebäude umso höher, bis zu 17 Stockwerke. Die Woche über habe ich morgens Intensive Japanese Kurse, jeweils 2 Stunden von 9:15 bis 12:30 und zweimal die Woche Indian Mysticism von 15:15 bis 16:45. Das ist hört sich recht wenig an, aber im Intensive Kurs wird fast jeden Tag ein Test geschrieben und die Hausaufgaben werden auch immer zeitaufwenidger. Laut Visabestimmungen müsste ich sogar "noch weniger" machen. Das typische japanische Unileben besteht hauptsächlich aus Anwesenheitslisten und schlafen während der Stunden. Das klingt jetzt komisch und natürlich trifft es nicht auf alle zu, aber sehr viele sind wohl nur wegen der Anwesenheitslisten da, bevorzugen es aber den Stoff selbst zuhause aus den Büchern zu lernen. Gaaaanz wichtig sind für viele Japaner die Clubs und Circles nach dem Unterricht. Wir haben beispielsweise ein Cheerleading-Team, dass auf nationaler Ebene häufig den ersten Platz abräumt, aber das wundert auch nicht, denn sie haben jede Mittagspause Training, 3x 3 Stunden unter der Woche abends sowie 2x 4 Stunden am Wochenende . Einfach... abartig. Ich hab sie mir mal angesehen, weil ich vielleicht mitmachen wollte (ja ja lacht nur), weil die Jochi leider kein Turnclub hat. *schnief* Momentan bin ich noch auf der Suche, ob ich vielleicht in einer anderen Uni einen Turnclub finde, oder versuche ich mich in einer anderen Sportart.
Tja, ansonsten wüsste ich nicht, was es sonst noch spektakuläres über die Uni zu erzählen gibt. Wenn ihr spezielle Fragen habt, dann mailt mir doch einfach ;-) Ansonsten wars das jetzt erstmal wieder. Machts gut und haltet die Ohren steif!
Jetzt bin ich schon über einen Monat in Japan. Wahnsinn! Und mittlerweile hat auch der Alltag Einzug gehalten: jeden morgen um halb 8 gehts ab zum Bahnhof und zur Uni. Für den gesamten Weg brauche ich etwas mehr als ein Stunde (dh in Deutschland könnte ich einfach daheim wohnen bleiben und jeden Tag mit dem Auto nach Trier fahren). Aber das ist noch nichts ungewöhnliches. Viele Leute fahren sogar 2 oder mehr Stunden morgens zur Arbeit und abends wieder genauso lange zurück. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass es morgens super super super scheiß voll ist! Rush hour halt.
Und da sind wir schon bei einem der unglaublichsten Phänomene, die es in Japan zu entdecken gibt: die Rush hour. Sie beginnt ungefähr um 7 und geht bis 9 Uhr. Täglich pendeln über 12 Millionen Menschen außerhalb des Tokyoter Kernstadtbereichs nach Tokyo rein. Unglaublich, dass die Stadt nicht aus allen Nähten platzt. Zumindest die Züge tun es.
Wenn man morgens in die Nähe des Bahnhofs kommt, merkt man schon das ein paar Straßen vorher sich immer mehr Menschen zu einem gesellen. Am Bahnhof selbst, kommen ständig Leute aus allen Straßen gelaufen, also nicht etwa schubweise, nein, ein permanenter nicht enden wollender Menschenstrom. Auf dem Bahnsteig wirds teilweise schon richtig eng. Das Lustige daran ist nur, dass die Japaner immer schön zwei und zwei hintereinander stehen, genau vor einem farblichen Streife auf derm Boden, der den Ort markiert, an dem die Türen zum stehen kommen werden. Sehr praktisch, man muss nur noch in den Zug reinstürmen. Damit aber nicht genug. Zwischen den "Türen" entstehen zwar zunächst noch Lücken (da ja keine Tür da ist), wird die Warteschlange dann aber irgendwann so lange (und das wird sie schnell) beginnt eine neue Reihe zwischen den "Türen". Wenn dann die eine Schlange komplett im Zug ist und dieser abfährt, wandert die "Zwischenschlange" wie auf geheimen Komando nach rechts zur nächsten "Tür". Und schwupps ist wieder Platz für eine "Zwischenreihe".
Irgendwie ist dieses System faszinierend. Vor allem weil man das von Deutschland nicht kennt. Jeder steht und wartet einfach irgendwo und vor der Tür bildet sich immer eine rießen Menschentraube. So kommt irgendwie keiner rein noch raus. In Japan hingegen kommt jeder in den Zug. Und es heißt wirklich jeder! Ich habe schon so oft gedacht "Also wenn jetzt noch einer rein will, platzt der Zug" . Aber siehe da, es passten noch locker 20 Leute mehr rein. Und falls es mal kritisch wird, stehen uniformierte, stumme Schaffner extra morgens auf jedem Bahnsteig bereit - für fast jede Tür einer - und drücken und quetschen die Menschen nach innen, damit dann die Türen zugehen.
Raus kommt man aber auf jeden Fall immer, was unter Umständen zwar echt schwierig sein kann (wenn man auf der Seite steht, die gegenüber der sich öffnenden Tür liegt), aber es klappt jedes mal. Vor den großen Bahnhöfen, an denen sehr viele Leute umsteigen müssen, hört man teilweise schon bevor der Zug steht von irgendwo ein halblautes "SUMIMASEN" ("Entschuldigung") und dann wird sich einfach durchgedrückt. Verblüffend ist, dass wirklich jeder versucht Platz zu machen, keinen anzurempeln, oder schief anzugucken (viele geben vor zu schlafen oder tippen blöd aufm Handy rum). Es ist super leise im Zug, obwohl in jedem Wagon 50-100 Menschen sind. Es ist eben wirklich ein Phänomen^.^ und ich erlebe es jeden Tag....naja ^.^
Leider habe ich keine Bilder davon (oder noch keine?). Bisher wars mir dann doch etwas zu peinlich einfach meine Kamera zu zücken und die Rush hour Opfer zu fotographieren. Vielleicht trau ich mich ja noch ;-)
Die Wochenenden sind im Vergleich zur Rush hour seeeehr entspannend und ruhig. Naja, mein letztes Wochenende war dann doch eher nicht so. Ich bin mit ein paar Leuten aus dem Wohnheim nach Kawagoe gefahren. Das liegt auch in Saitama, nur weiter nord-östlich im Landesinneren (also weg von Tokyo). Mittlerweile sieht Kawagoe schon sehr wie jede "Vorstadt-Stadt" aus, es gibt aber noch einige Häuser die aus der Edozeit stammen (1603-1868). Und eben in diesem Städtchen war am Wochenende Matsuri- also ein Festival.
Es war super super voll (eben wie in der Rush hour). Die ganze Stadt war voller Essenständchen - natürlich nur japanisches Essen(nur 1-2 Kebab hatten sich eingeschlichen). Und dann gab es noch viele Spieleständchen, ähnlich den Angelständchen auf der Kerwe daheim. Aber ich fang am Besten mal von vorne an: Wir sind vormittags um 11 Uhr mit dem Zug los gefahren und haben ungefähr eine 3/4 Stunde gebaucht (2x umsteigen).
Angekommen, mussten wir dann nur den Menschenmassen folgen. Neben den ganze Essensständen (Okonomiyaki, Takoyaki, Toriyaki, verschiedene burgerähnliche Sachen, ganz viele Süßkartoffe-Süßigkeiten, Lutscher, Schokobananen, Früchte in einer seltsamen klaren Soße, Zuckerwatte in Mangatüten, aufgespiester und gegrillter Fisch etc etc) gab es dann noch einige Spielzeugstände. Es gab zum Beispiel Trinkbecher als Doraemon-Figur oder als Pikatchu oder sonstwas. Jede Menge Kleinkrusch der in einem Wasserstrudel schwimmt und den die Kinder versuchen müssen raus zu angeln oder schöpfen. Ein berühmte japanische Attraktion ist beispielsweise ein Wasserbecken in dem kleine Fische schwimmen und man muss versuchen die mit einem super dünnen Papierkelch raus zu schöpfen (das Papier reißt natürlich meistens).
Wir haben uns ziemlich schnell erstmal über das Essen hergemacht. Jeder hatte was anderes, so dass wir von allem probieren konnten. Ich hatte Okonomiyaki (eine Art riesen Pfannkuchen-burrito) eine Schokobanane und türkisches Eis (und von den anderen Sachen probiert). Ich war so voll, dass ich sogar heute morgen nichts frühstücken wollte und mich mit einer Banane und einem Mini-Heidelbeercroissant begnügt habe.
Zwischendrin den Essensständchen waren kleine Holzbühnen aufgebaut auf denen 2-3 Musiker gespielt haben (oder eher Krach gemacht haben) und ein verkleideter Tänzer hat zum Krach getanzt. Ich nehme an, dass die Künstler aus irgend einem traditionellem Theater stammten, Kabuki zum Beispiel. Von Zeit zu Zeit liefen Polizisten auf der Straße, haben die Leute "beiseite geräumt" und Platz für einen kleinen Wagen gemacht. Der Wagen war eher ein fahrendes Haus, das auch eine kleine Bühne enthielt. Diese fahrenden Häuser wurden von traditionell gekleideten Leuten an Tauen gezogen und sie hielten oft neben den feststehenden Bühnen an. Dann wurde ein Bolzen entfernt und das Haus hat sich zur Bühne gedreht und die beiden Tänzer - der der Bühne und der des Hauses- haben sich begrüßt und zusammen getanzt. Irgendwann haben sie das Haus wieder nach vorne gedreht und schon wurde es weiter gezogen. Alles seeehr seltsam ^.^ Ich hab mal ein Video davon gemacht, damit ihr euch das besser vorstellen könnt:
So, man erkennt zwar super wenig, aber zumindest hab ich ja noch das große Video auf der Festplatte. Kann dann jeder sehen, ders möchte, wenn ich wieder daheim bin und einen ganzen Bildertag veranstalte ^.^ Das wars mal wieder. Diesmal wars leider nicht zu viel, aber wie gesagt, der Alltag hält selbst hier in Japan Einzug. Es wird ab jetzt wohl immer länger dauern, bis ich mal wieder etwas poste. Muss ja erst wieder was tolles erlebt haben :)
Nächstes Wochenende besuche ich wahrscheinlich Nikko, könnt ihr ja mal googlen ;-) Bis dahin wünsch ich jedem Einzelnen alles Gute, haltet die Ohren steif in Deutschland, was ja nicht so schwer sein kann bei den eisigen Temperaturen- hier ist es übrigens noch Sommer :) auf dem Matsuri war ich in Rock und Trägertop :P 26 ° und Sonne *yeah* wird sich aber auch bald ändern ;-) Bis demnächst und Sayonara!