Sonntag, 25. Oktober 2009

Von der Lehre der Affen- oder: auch Affen bringen einem etwas bei :)

(: Hallöchen aus dem mittlerweile auch kälter werdenden Japan :)

Diesmal hat es nicht so lange gedauert, bis ich euch wieder etwas berichten kann. Das liegt daran, dass ich gestern (Samstag) mit ein paar Leuten aus dem Wohnheim einen echt tollen Ausflug gemacht habe zum Weltkulturerbe von Nikko und zum Nationalpark um Chuzenjiko. Beides sind kleine alte Städtchen, die nördlich von Tokyo liegen, also wirklich außerhalb von Tokyo (unglaublich ich weiß ^.^). Dem entsprechend lange hat es auch dann gedauert.


Ich bin morgens um 5 aufgestanden und um 6 gings an den Zug, der uns erst einmal zum Zug nach Nikko gebracht hat. Der fuhr um 7 los und um halb 10 waren wir dann endlich dort. Nikko liegt in den Bergen - eigentlich an den Ausläufern der Berge, aber es liegt doch schon ziemlich hoch. Jedenfalls war es dort doch deutlich frischer, als in Tokyo selbst- vielleicht so 12/13° . Von Nikko aus sind wir dann gleich mit einem Bus undgefähr eine Stunde lang über eine berühmte Passstraße (Irohazaka) nach Chuzenjiko-Onsen (so heißt der Ort) gefahren. Chuzenjiko liegt ungefähr 1200 m üNN am Rande des Nationalparks an einem echt schönem See. Dort war es leider noch kälter als in Nikko (ungefähr 8°). Die Irohazaka, die Passtraße heißt so, weil sie ursprünglich mal 48 Kurven hatte, also genausoviele wie das japanische Alphabet (Iroha) Buchstaben hat. Mittlerweile sind es Gott sei Dank nur noch 30 Kurven. Die Straße blieb aber trotzdem berühmt, vor allem wegen ihrer Farbenpracht im Herbst. Dementsprechend voll war sie dann auch und wir standen eine halbe Stunden im Stau ^.^'. Aber die Farben waren schon genial. Es war zwar nicht jeder Baum extrem farbig, aber immer mal wieder gab es Bäume mit außergewöhnlichem Rot oder Orange. Leider sind die meistens Bilder aus dem fahrenden Bus aufgenommen und daher leider....suboptimal ^.^ sorry


Chuzenjiko selbst ist ein wirklich kleiner und verträumter Ort. Es gibt hauptsächlich Souvenirläden und überteuerte Restaurants und Hotels. Die Hauptattraktionen sind natürlich der See, der Nantai-san (Mount Nantai) und 2 Wasserfälle (die wir leider aus Zeitgründen nicht sehen konnten). Daneben gibt es noch ein Tempel (Chuzen-ji) und ein Schrein (Futarasan-jinja). Kurze Erklärung: Tempel sind buddhistisch und Schreine shintoistisch (immer) ;-)



Danach waren wir nur noch überteuert essen und mussten dann wieder mit dem Bus eine Stunde nach Nikko zurückfahren. Nikko ist sehr berühmt wegen seinen Schrein- und Templeanlagen, vor allem wegen des Tosho-gu, der Schrein in dem Tokugawa Ieyasu begraben ist. (Kleine Geschichtskunde: Tokugawa Ieyasu war der Shogun, der Japan 1603 in die Isolation geführt hat und der das Tokugawa-Shogunat begründet hat. Heute wird es auch als Edo-Zeit oder Zeit des großen Friedens bezeichnet, der nach 250 Jahren (1868) durch die Amerikaner beendet wurde. Japan musste sich wieder öffnen und mit Amerika äußerst unfaire Handelsverträge abschließen.)


Im Tosho-gu befinden sich noch zwei weitere Hauptattraktionen: einmal die Nemuri-Neko (die schlafende Katze), die sich im Grabraum von Tokugawa befindet (die Japaner sind voll verrückt nach ihr, weil sie so süß sei) und die 3 bekanntesten Affen der Welt. Einer der Affen hält sich die Augen zu, einer den Mund und einer die Ohren. Sie verdeutlichen eine wichtige Lehre - eigentlich des Buddhismus: Nichts böses sagen, nichts böses hören, nichts böses sehen. Die Affen kann man in allen Varianten als Souvenir kaufen, zB als Tassen, Anhänger, Aschenbecher, einfache Skulpturen, als Taschentücher, Plüschtiere etc etc etc. Typisch japanisch halt.


Eine weitere Sehenswürdigkeit von Nikko ist die fünfstöckige Pagode und die Shin-kyo-Brücke, die leider nur zum fotographieren ist. Dann gibt es noch andere Tempel und Schreine und ein Treasure House (Museum) und ein National Science Museum und und und. Also für Nikko und Chuzenjiko komplett auskosten zu können braucht man unbedingt mindestens 2 volle Tage. Leider hatte ich nur einen und konnte daher sicher die Hälfte nicht sehen, aber da ich ja quasi "vor Ort" bin, werde
ich vielleicht nochmal hinfahrn (auch wenn es etwas teuer ist), aber man weiß ja nie ^.^


So und nachdem uns die Affen etwas wichtiges aus dem Buddhismus gelehrt haben möchte ich nun etwas von der Uni erzählen (nachdem man mich freundlich drauf hingewiesen hat, auch mal darüber zu schreiben^.^). Meine Uni- die Jochidaigaku, wie sie auf japanisch bezeichnet wird (englisch: Sophia University) gehört zu den 3 besten internationalen Universitäten Japans *protz* "Besser" sind lediglich die Waseda Universität und die Keio Universität. Jetzt aber genug angegeben ^. ^

Mein Unialltag beginnt erstmal mit einer Stunde fahrt in der Rushhour (ich muss ja erstmal nach Tokyo kommen). Die Uni selbst liegt schräg gegenüber vom Bahnhof, also echt super angeschlossen.
Direkt hinter der Campus liegt die Akasaka Imperial Residence mit einer großen Parkanlage, die öffentlich zugängig ist (zumindest größtenteils). Im Frühjahr bietet es sich da natürlich an, nach dem Unterricht im Park zu faulenzen ;-)


Der Campus ist recht klein, dafür die Gebäude umso höher, bis zu 17 Stockwerke. Die Woche über habe ich morgens Intensive Japanese Kurse, jeweils 2 Stunden von 9:15 bis 12:30 und zweimal die Woche Indian Mysticism von 15:15 bis 16:45. Das ist hört sich recht wenig an, aber im Intensive Kurs wird fast jeden Tag ein Test geschrieben und die Hausaufgaben werden auch immer zeitaufwenidger. Laut Visabestimmungen müsste ich sogar "noch weniger" machen. Das typische japanische Unileben besteht hauptsächlich aus Anwesenheitslisten und schlafen während der Stunden. Das klingt jetzt komisch und natürlich trifft es nicht auf alle zu, aber sehr viele sind wohl nur wegen der Anwesenheitslisten da, bevorzugen es aber den Stoff selbst zuhause aus den Büchern zu lernen. Gaaaanz wichtig sind für viele Japaner die Clubs und Circles nach dem Unterricht. Wir haben beispielsweise ein Cheerleading-Team, dass auf nationaler Ebene häufig den ersten Platz abräumt, aber das wundert auch nicht, denn sie haben jede Mittagspause Training, 3x 3 Stunden unter der Woche abends sowie 2x 4 Stunden am Wochenende . Einfach... abartig. Ich hab sie mir mal angesehen, weil ich vielleicht mitmachen wollte (ja ja lacht nur), weil die Jochi leider kein Turnclub hat. *schnief* Momentan bin ich noch auf der Suche, ob ich vielleicht in einer anderen Uni einen Turnclub finde, oder versuche ich mich in einer anderen Sportart.

Tja, ansonsten wüsste ich nicht, was es sonst noch spektakuläres über die Uni zu erzählen gibt. Wenn ihr spezielle Fragen habt, dann mailt mir doch einfach ;-) Ansonsten wars das jetzt erstmal wieder.
Machts gut und haltet die Ohren steif!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Vom Schlange stehen, Rush hour und fahrenden Häusern :)

Hallo an alle daheim!

Jetzt bin ich schon über einen Monat in Japan. Wahnsinn!
Und mittlerweile hat auch der Alltag Einzug gehalten: jeden morgen um halb 8 gehts ab zum Bahnhof und zur Uni. Für den gesamten Weg brauche ich etwas mehr als ein Stunde (dh in Deutschland könnte ich einfach daheim wohnen bleiben und jeden Tag mit dem Auto nach Trier fahren). Aber das ist noch nichts ungewöhnliches. Viele Leute fahren sogar 2 oder mehr Stunden morgens zur Arbeit und abends wieder genauso lange zurück. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass es morgens super super super scheiß voll ist! Rush hour halt.

Und da sind wir schon bei einem der unglaublichsten Phänomene, die es in Japan zu entdecken gibt: die Rush hour. Sie beginnt ungefähr um 7 und geht bis 9 Uhr. Täglich pendeln über 12 Millionen Menschen außerhalb des Tokyoter Kernstadtbereichs nach Tokyo rein. Unglaublich, dass die Stadt nicht aus allen Nähten platzt. Zumindest die Züge tun es.

Wenn man morgens in die Nähe des Bahnhofs kommt, merkt man schon das ein paar Straßen vorher sich immer mehr Menschen zu einem gesellen. Am Bahnhof selbst, kommen ständig Leute aus allen Straßen gelaufen, also nicht etwa schubweise, nein, ein permanenter nicht enden wollender Menschenstrom. Auf dem Bahnsteig wirds teilweise schon richtig eng. Das Lustige daran ist nur, dass die Japaner immer schön zwei und zwei hintereinander stehen, genau vor einem farblichen Streife auf derm Boden, der den Ort markiert, an dem die Türen zum stehen kommen werden.
Sehr praktisch, man muss nur noch in den Zug reinstürmen.
Damit aber nicht genug. Zwischen den "Türen" entstehen zwar zunächst noch Lücken (da ja keine Tür da ist), wird die Warteschlange dann aber irgendwann so lange (und das wird sie schnell) beginnt eine neue Reihe zwischen den "Türen". Wenn dann die eine Schlange komplett im Zug ist und dieser abfährt, wandert die "Zwischenschlange" wie auf geheimen Komando nach rechts zur nächsten "Tür". Und schwupps ist wieder Platz für eine "Zwischenreihe".

Irgendwie ist dieses System faszinierend. Vor allem weil man das von Deutschland nicht kennt. Jeder steht und wartet einfach irgendwo und vor der Tür bildet sich immer eine rießen Menschentraube. So kommt irgendwie keiner rein noch raus. In Japan hingegen kommt jeder in den Zug. Und es heißt wirklich jeder! Ich habe schon so oft gedacht "Also wenn jetzt noch einer rein will, platzt der Zug" . Aber siehe da, es passten noch locker 20 Leute mehr rein. Und falls es mal kritisch wird, stehen uniformierte, stumme Schaffner extra morgens auf jedem Bahnsteig bereit - für fast jede Tür einer - und drücken und quetschen die Menschen nach innen, damit dann die Türen zugehen.

Raus kommt man aber auf jeden Fall immer, was unter Umständen zwar echt schwierig sein kann (wenn man auf der Seite steht, die gegenüber der sich öffnenden Tür liegt), aber es klappt jedes mal. Vor den großen Bahnhöfen, an denen sehr viele Leute umsteigen müssen, hört man teilweise schon bevor der Zug steht von irgendwo ein halblautes "SUMIMASEN" ("Entschuldigung") und dann wird sich einfach durchgedrückt. Verblüffend ist, dass wirklich jeder versucht Platz zu machen, keinen anzurempeln, oder schief anzugucken (viele geben vor zu schlafen oder tippen blöd aufm Handy rum). Es ist super leise im Zug, obwohl in jedem Wagon 50-100 Menschen sind. Es ist eben wirklich ein Phänomen^.^ und ich erlebe es jeden Tag....naja ^.^

Leider habe ich keine Bilder davon (oder noch keine?). Bisher wars mir dann doch etwas zu peinlich einfach meine Kamera zu zücken und die Rush hour Opfer zu fotographieren. Vielleicht trau ich mich ja noch ;-)

Die Wochenenden sind im Vergleich zur Rush hour seeeehr entspannend und ruhig. Naja, mein letztes Wochenende war dann doch eher nicht so. Ich bin mit ein paar Leuten aus dem Wohnheim nach Kawagoe gefahren. Das liegt auch in Saitama, nur weiter nord-östlich im Landesinneren (also weg von Tokyo). Mittlerweile sieht Kawagoe schon sehr wie jede "Vorstadt-Stadt" aus, es gibt aber noch einige Häuser die aus der Edozeit stammen (1603-1868). Und eben in diesem Städtchen war am Wochenende Matsuri- also ein Festival.

Es war super super voll (eben wie in der Rush hour). Die ganze Stadt war voller Essenständchen - natürlich nur japanisches Essen(nur 1-2 Kebab hatten sich eingeschlichen). Und dann gab es noch viele Spieleständchen, ähnlich den Angelständchen auf der Kerwe daheim. Aber ich fang am Besten mal von vorne an: Wir sind vormittags um 11 Uhr mit dem Zug los gefahren und haben ungefähr eine 3/4 Stunde gebaucht (2x umsteigen).

Angekommen, mussten wir dann nur den Menschenmassen folgen. Neben den ganze Essensständen (Okonomiyaki, Takoyaki, Toriyaki, verschiedene burgerähnliche Sachen, ganz viele Süßkartoffe-Süßigkeiten, Lutscher, Schokobananen, Früchte in einer seltsamen klaren Soße, Zuckerwatte in Mangatüten, aufgespiester und gegrillter Fisch etc etc) gab es dann noch einige Spielzeugstände. Es gab zum Beispiel Trinkbecher als Doraemon-Figur oder als Pikatchu oder sonstwas. Jede Menge Kleinkrusch der in einem Wasserstrudel schwimmt und den die Kinder versuchen müssen raus zu angeln oder schöpfen. Ein berühmte japanische Attraktion ist beispielsweise ein Wasserbecken in dem kleine Fische schwimmen und man muss versuchen die mit einem super dünnen Papierkelch raus zu schöpfen (das Papier reißt natürlich meistens).

Wir haben uns ziemlich schnell erstmal über das Essen hergemacht. Jeder hatte was anderes, so dass wir von allem probieren konnten. Ich hatte Okonomiyaki (eine Art riesen Pfannkuchen-burrito) eine Schokobanane und türkisches Eis (und von den anderen Sachen probiert). Ich war so voll, dass ich sogar heute morgen nichts frühstücken wollte und mich mit einer Banane und einem Mini-Heidelbeercroissant begnügt habe.

Zwischendrin den Essensständchen waren kleine Holzbühnen aufgebaut auf denen 2-3 Musiker gespielt haben (oder eher Krach gemacht haben) und ein verkleideter Tänzer hat zum Krach getanzt. Ich nehme an, dass die Künstler aus irgend einem traditionellem Theater stammten, Kabuki zum Beispiel. Von Zeit zu Zeit liefen Polizisten auf der Straße, haben die Leute "beiseite geräumt" und Platz für einen kleinen Wagen gemacht. Der Wagen war eher ein fahrendes Haus, das auch eine kleine Bühne enthielt. Diese fahrenden Häuser wurden von traditionell gekleideten Leuten an Tauen gezogen und sie hielten oft neben den feststehenden Bühnen an. Dann wurde ein Bolzen entfernt und das Haus hat sich zur Bühne gedreht und die beiden Tänzer - der der Bühne und der des Hauses- haben sich begrüßt und zusammen getanzt. Irgendwann haben sie das Haus wieder nach vorne gedreht und schon wurde es weiter gezogen. Alles seeehr seltsam ^.^ Ich hab mal ein Video davon gemacht, damit ihr euch das besser vorstellen könnt:



So, man erkennt zwar super wenig, aber zumindest hab ich ja noch das große Video auf der Festplatte. Kann dann jeder sehen, ders möchte, wenn ich wieder daheim bin und einen ganzen Bildertag veranstalte ^.^ Das wars mal wieder. Diesmal wars leider nicht zu viel, aber wie gesagt, der Alltag hält selbst hier in Japan Einzug. Es wird ab jetzt wohl immer länger dauern, bis ich mal wieder etwas poste. Muss ja erst wieder was tolles erlebt haben :)

Nächstes Wochenende besuche ich wahrscheinlich Nikko, könnt ihr ja mal googlen ;-)
Bis dahin wünsch ich jedem Einzelnen alles Gute, haltet die Ohren steif in Deutschland, was ja nicht so schwer sein kann bei den eisigen Temperaturen- hier ist es übrigens noch Sommer :) auf dem Matsuri war ich in Rock und Trägertop :P 26 ° und Sonne *yeah* wird sich aber auch bald ändern ;-) Bis demnächst und Sayonara!


Samstag, 3. Oktober 2009

Japan, die Zweite....


Hallo an alle daheim :)

Zu aller erst: Vielen Dank für eure lieben Kommentare hier direkt beim Blog, per Email oder Icq. Ich hab mich tierisch über so viele feed-backs gefreut!!!! Weiter so! ;)

Ich bin jetzt schon über 2 Wochen hier und habe letzte Woche wieder viel erlebt, das ich euch jetzt natürlich im Detail erzählen muss. Zunächst waren die Tage nach der spannenden ersten Woche etwas ruhiger verlaufen (Gott sei Dank!) und ich hab hauptsächlich viel Geld in den umliegenden Geschäften gelassen ^.^ Aber nun ja, gewissen Sachen braucht man eben, kann ja schlecht die Wäsche über den Stuhl hängen zum Trocknen, also musste zB mal ein Wäscheständer her. Leichter gesagt als getan. Es gibt hier zwar in der Nähe einen absoluten „Ramsch-Laden“, wo man von Essen bis hin zu Handys alles bekommt und das meist äußerst günstig….aber anscheinend finden Japaner, dass Wäscheständer zu viel Platz wegnehmen. Es gibt sie zwar, aber man bekommt millionenfach eine Art Kleiderbügel, an dem dann ein quadratisches Gestell hängt mit Klammern dran….sieht komisch aus, aber immerhin tut es seinen Dienst. Ach ja. Wäsche waschen ist dann auch so ein Thema für sich, es gibt grundsätzlich nur ein Waschprogramm und gewaschen wird auch grundsätzlich mit „kaltem“ Wasser- es entspricht glaube unserem 30° Waschgang.

Ich durfte also Anfang der zweiten Woche erstmal den japanischen Alltag kennen lernen ^.^
Mittwoch bin ich dann mit Marlene nach Harajuku gefahren. Harajuku liegt in Tokyo und ist das angesagteste Jugendviertel. Dort gibt’s zahlreiche kleine Gassen, die vollgestopft sind mit Klamotten und Accessoir-Läden, alles speziell auf die japanische Jugend zugeschnitten. (Übrigens ist in Harajuku auch diese eine berühmte Brücke, auf der sich am Wochenende ein paar wenige verrückte Japaner verkleidet treffen. Muss ich mir auch noch angucken- ich war Mittwochs da. Den "Kleiderstil" findet man übrigens auf anhieb wenn man Harajuku bei Google eingibt ;) ).
War nicht ganz einfach dort shoppen zu gehen, weil es extrem voll ist. Dafür ist !wirklich! jede Stilrichtung vertreten, von Girly-Girls über Rocker bis Emo und Gothic-Lolitas und alles äußerst günstig. (Hab dort direkt einen super schönen Schal ausfindig gemacht ^.^welchen Stil verrate ich nicht :x). Nachmittags hatte ich dann mein erstes original japanisches Sushi (auf dem Fließband) und es war schon äußerst lecker, aber soooo überragend besser wie deutsches Sushi ist es nun auch nicht gewesen (man bekommt ja immer zu hören, dass Sushi außerhalb von Japan extrem schlecht sein soll- das fand ich jetzt irgendwie nicht, lag aber vielleicht auch am Laden).



So, damit war auch der entspannende Teil der letzten Woche schon vorbei.
Am Donnerstag hatte ich von der Sophia Universität eine „Orientation“, wo es erstmal eine Leinentasche mit Sophiawappen drauf gab und mit allerhand Zeug zu durchlesen drin (In der Uni gibts auch extra einen Shop, wo man sämtliche Sophia-Kleidungstücke, -Stifte,-Blöcke etc kaufen kann). Es gab zunächst 2 Stunden lang jede Menge Infos zu den Sprachkursen, zu den Uniregeln und zum „Placement Test“ am nächsten Tag. Den musste jeder mitmachen, der schon mal Japanisch gelernt hat- egal wie lange und wie gut. Ich muss zugeben, der war extrem schwer. Hab von niemanden gehört, der meinte „ ach ich bin bis zum Dritten Teil locker durchgekommen“ (Zur Erklärung: der Test war über 3 Themengebiete – Kanji, Composition und ein Essay und jeder Teil fing bei super einfachen Sachen an und wurde mit jeder Frage schwerer bis hin zum advanced level). Die Sophia ist wohl bekannt dafür richtig gute und äußerst fordernde Sprachkurse anzubieten. Das wusste ich natürlich vorher nicht -.- Schaden tuts aber eigentlich auch nicht ^.^
Abends war ich dann auf dem nach-Hause-Weg noch einen Abstecher nach Ikebukuro machen. Dort sind super viele Einkaufsmöglichkeiten unter anderem ein Paper Loft mit super schönen Briefpapiern uns sonstigem Kram. Lustig sind vor allem die Karteikarten die es in Japan gibt. In Deutschland sind sie einfach weiß, rechteckig und in allen A5- Ax Größen zu bekommen. In Japan sind sie zwar hauptsächlich auch weiß, aber Din A-Formen sind einfach zu wenig ausgefallen, zu langweilig, das geht ja garnicht! Stattdessen gibt es hier Karteikarten nur im Kleinformat in allen Möglichen Formen wie zb Kleeblattform, Tierform, Blumenform, oder ganz langweiligerweise auch rechteckig, aber alle an einem Ring, so dass man schön im Zug lernen kann ohne sie zu verlieren und alle auf dem Boden zu verteilen. Oder man klemmt sie sich an den Schlüssel, ans Handy oder an die Tasche, alles gar kein Problem- nur wenn man was größeres will um Prüfschemata oder so draufzukritzeln. Das gibts dann nämlich nicht.


Ab Montag war dann eine Exkursion von meinem Fachbereich aus Trier da :)
Ungefähr 15 Leute, darunter 3 Professoren, waren für ungefähr eine Woche in Japan, um sich Gerichte, Kanzleien, die Botschaft und Universitäten anzuschauen.
Da ich ja schon hier war, konnte ich auch überall mit hin und es war einfach toll :)Marlene und ich haben meistens alle im Hotel abgeholt oder am Bahnhof getroffen. Wir haben Montag Clifford-Chance besucht und Mittwoch Baker&McKenzie. Beide gehören zu den größten und bekanntesten internationalen Kanzleien. Dort gabs ein paar Werbegeschenke, viel Infos über die Arbeit dort, wie die Kanzlei aufgebaut ist, wie man da rein kommt etc. Super spannend. Bei Baker&McKenzie würde sich sogar die Option anbieten, ein Praktikum in den Semesterferien zu absolvieren- das wär natürlich klasse, wobei das Großkanzlei-Leben sehr hart ist: Arbeitszeiten von 8/9 Uhr morgens bist locker Mitternacht, 20 Tage Urlaub, maximal 2 Wochen zusammenhängend. Für Familie, Freunden etc bleibt dann kaum Zeit.
Da würde sich schon eher ein Praktikum in der deutschen Botschaft anbieten, die wir auch mittwochs besucht haben. Die Leute dort waren super super lieb und waren begeistert, als man nach einer Praktikumsmöglichkeit gefragt hat.



Dienstags haben wir uns das japanische Parlament angeschaut. Leider durfte man nur von außen Bilder machen, aber der Sitzungssaal war spektakulär. Hat zwar eher an eine Oper erinnert, aber äußerst beeindruckend und wohl auch funktional gestaltet, da die ganzen Wandteppiche und- Verziehungen wohl ein Echo unterdrücken etc. Von Zeit zu Zeit wohnt auch der Tenno den Sitzungen bei :) Eine große Ehre! (Wie ihr vielleicht wisst ist letztens seit Jahrzehnten- ich glaube sogar das erste mal - die Opposition an die Macht gekommen. Das war eine rießen Überraschung und jetzt ist jeder sehr gespannt was und wieviel sich ändern wird- zu Veränderungen in Japan gleich noch mehr ;) )


Donnerstag und Freitag waren dann Universitäten dran. Einmal meine eigene und dann noch die Waseda Universität- eine Elite-Uni. Wir mussten teilweise Vorträge über deutsche Rechtsprobleme halten (auf japanisch natürlich) und Diskussionen über die Todesstrafe führen (die es in Japan noch gibt und auch vollstreckt wird!). Erstaunlicher Weise hatten sich nur 3 oder 4 Studenten finden lassen, die sich ausdrücklich für die Beibehaltung der Todesstrafe ausgesprochen haben. Trotz dass so viele Japan offensichtlich gegen die Todesstrafe sind, wird sie nicht abgeschafft- eine ganz typisch japanische Eigenschaft wie ich finde: Bevor irgendetwas (radikal) geändert wird, dass schon seit Jahr(zehnt)en Bestand hat, wird erstmal nachgeguckt, ob es nicht einen komplizierteren Weg gibt, zB dass man ein unerwünschtes Gesetz einfach mal anders auslegt und behauptet, das Gesetz wolle das ja garnicht- und das teilweise ganz unverschämt gegen den klaren Wortsinn. Aber etwas ändern oder gar abschaffen ist halt...Nein nein! Das geht nicht!Unmöglich!
Was allerdings sehr gut geht, ist eine Uni-Exkursion von einer Uni, die gar keine Partneruni ist so zu bewirten, als wäre sie vom selben Gründer gegründet worden. Wir bekamen nach dem ganzen Theater die Mensa hergerichtet, es wurden eigens für uns Häppchen in Form von Sushi und sonstigen Leckereien (die durchaus nicht billig sind in Japan) herangeschafft, Sake wurde ausgescheckt, Bier, Softdrinks, es wurde geprostet und sich jede Menge verbeugt ^. ^ In Sachen Gastfreundschaft ist Japan eben doch am Fortschrittlichsten.

Freitag abend war dann der letzte Tag an dem ich mit der Exkursion unterwegs war. Wir sind alle zusammen abends Yakiniku essen gegangen. Yakiniku ist nicht nur ein Japanisches Essen der Extraklasse, es macht auch tierisch Spaß :)Man sitzt zu viert oder zu sechst an einem Tisch in dessen Mitte eine Art Loch eingelassen ist. Da kommt dann ein Pott mit glühender Kohle rein und dann ein Rost drüber. Man bekommt Platten und Teller voll mit rohem, teils ungwürzten, teils gewürzten, teils marinierten Fleisch gebracht, Reis, Salate und jetzt darf man selbst grillen. Es ist echt genial und jeder der mal nach Japan kommt MUSS es unbedingt machen. Oft gibt es dann noch eine Getränke-flat-rate (so wie wir sie gestern hatten) und dann kann man für umgerechnet 15 Euro soviel trinken wie man will- ach alkoholische Getänke :) Dementsprechend waren wir alle super drauf danach ^-^ und sind auch direkt aus dem Restaurant und in die nächste Karaokebar gefallen.


Also ich muss sagen, Karaoke ist doch ganz anders als Singstar. Überhaupt nicht peinlich, denn man singt nicht allein oder gegeneinander und es ist auch kein Wettbewerb. Es gibt zwar nur 2 Mikros, die wandern aber ständig weiter (so etwa jede paar Liedzeilen oder beim Refrain oder spätestens beim nächsten Lied) und jeder singt mit (je nach Alkoholpegel auch gröhlen) Man bezahlt den Raum meistens nicht nach Personenanzahl, sondern einfach nach Stunden. Dazu gibts dann eine Softdrink-flat-rate und Knabberzeug. Es macht tierisch Spaß und es war sicher nicht mein einziges Mal!

Irgendwann unter der Woche war ich noch mit ein paar Leuten in Shimbashi - wieder ein Stadteil von Tokyo, hab aber keine Ahnung was genau speziell dort ist. Es gab viele Hochhäuser, Shopping-center und Restaurants- das übliche Umfeld eben. Das tolle an Shimbashi war eigentlich nur das leckere Grünteeeis (das mir normalerweise nicht schmeckt ganz im Gegensatz zum Macadamiaeis) und die Aussicht in der Sky-lounge, vor allem der Weg dorthin :) Es ging mit einem gläsernen Aufzug 47 Stockwerke in die Höhe und man konnte an den gegenüber liegenden Hochhäusern deutlich erkennen, wie verdammt schnell diese Teile sind^-^ Kein Vergleich zu deutschen Uni-Aufzügen. Die Aussicht oben war WIRKLICH SENSATIONELL!!! Ich war total aus dem Häuschen, erstens war es Nacht und ganz Tokyo leutete- bis zum Horizont ein einziges Lichtemeer. Es war einfach kein Ende der Stadt auszumachen und die Lichter wirkten irgendwie magisch. Das war der erste Moment in dem ich dachte "Danke dass ich hier sein darf!" Atemberaubend! Ich hab davon versucht ein Video zu machen, hoffentlich kommt es gut rüber.


Ich würde euch ja sehr gerne noch über die U-Bahn und Bahn Angewohnheiten der Japaner und noch so viel mehr erzählen, aber ich fürchte, dann wird der Post zu lang und ich hab bald nichts mehr zu berichten :) Diese Woche war ja echt wieder voll gestopft! Hoffentlich wirds jetzt erst mal ruhiger, die Unikurse fangen ja an (Japanese Intensive-1 und Indian Mysticism- ich weiß das einen hat ja garnichts mit Japan zu tun, aber der Kurs ist einfach toll und ich muss ihn belegen ^-^) . Ich hoffe euch hat mein 2. Post gut gefallen und ihr gebt mir wieder so zahlreich feed-backs, allein schon, damit ich mal wieder was von euch höre im fernen Japan:) Ich vermisse euch alle ganz arg und würd euch gern so vieles persönlich zeigen. Hoffentlich kommt das mit dem Blog etwas rüber ;)

Also bis demnächst, machts gut, passt auf euch auf und
じゃあ、またね。お休み!
Eure Tina